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Das heilende Wasser und die heilende Erde von Limnos

Der Eingangsbereich zum Café und zum Spa. © Therma Spa

Der Eingangsbereich zum Café und zum Spa. © Therma Spa

Therma, Limnos, Griechenland (Spatianer). Das Therma Spa von Babis and Dagmara Halamandaris im Westen der griechischen Insel Limnos (altgriechisch Lemnos) im Norden der Ägäis darf als ein Kleinod unter den griechischen Thermalbäden betrachtet werden. So wenig bekannt wie die Insel, die fast so groß ist wie West-Berlin, so berühmt sind die Heilquelle von Therma und die heilende Erde von Limnos.

Ganz Berlin hat bald 4 Millionen Einwohner, während auf Limnos etwas mehr als 15 000 Menschen leben. Mehr Land als Leute – das lässt die Einkehr und den Verbleib auf dem Eiland zu einer Entspannung werden.

Weder die Bewohner noch die Besucher stehen im Spa bei Halamandaris Schlange, als ich ankomme, aber sie sollten es wie alle guten Geister und Gäste der Insel, denn das Wasser scheint eine Wonne und Wohltat zu sein.

Das bestätigt auch die Aristoteles-Universität in Thessaloniki, die das warme Wasser, das mit Temperaturen von 39° bis 43° Celsius aus der Erde sprudelt, untersuchte. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass das Quellwasser therapeutisch und gut gegen Rheuma, Gicht, Arthritis, Osteoporose und Gallensteinleiden ist.

Das Wasser im Detail: CATIONS: Sodium 83.9 mg/l, Potassium 0.65 mg/l, Calcium 6.40 mg/l, Magnesium 0.05 mg/l, Iron 0.00 mg/l, Zinc 0.00 mg/l, Manganese 0.00 mg/l, Lithium 0.00 mg/l, Strontium 0.24 mg/l, Ammonium 0.00 mg/l.
ANIONS: Chlorine 75.10 mg/l, Acid carbonic 84.60 mg/l, Sulphuretted hydrogen 0.00 mg/l, Fluorine 0.16 mg/l, Sulphureous 13.80 mg/l, Phosphoric 0.03 mg/l, Nitric 9.30 mg/l, Nitrite 0.00 mg/l, Carbonates 1.30 mg/l.

Ein Wannenbad im Therma Spa auf Limnos. © Therma Spa

Ein Wannenbad im Therma Spa auf Limnos. © Therma Spa

Doch nicht nur das Wasser ist gesund, die Luft scheint auch rein zu sein. Limnos ist halt eine Insel. Allerdings steigt mir nicht der typische Geruch einer Meeresbrise in die Nase wie unmittelbar an der Küste von Limnos. Es duftet nach Gras. Das Thermalbad liegt in einer Senke am Fuße dreier Hügel auf einer Hochebene rund 100 Meter über dem Meer. Die Hügel in dieser Gegend sind mit Gras bewachsen. Ein paar Bäumchen auf den Hügeln und Bäume im windgeschützen Tal trotzen dem Wind, der oft rau über die Insel weht. Blumen blühen im Garten vor dem zum Spa gehörenden Café und jede Menge Oleander. Das sieht nicht nur schön aus, das riecht auch gut. Der Duft von griechischem Kaffee mischt sich mit diesem tollen Hauch von Sommer. Die gesamte Anlage liegt in einer Kulturlandschaft, wirkt recht idyllisch und gepflegt, ohne besonders edel zu sein. Schickimicki und puren Luxus verströmt dieser Spa nicht, dafür aber eine großartige Geschichte.

Babis Halamandaris erzählt, dass archäologische Funde wie alte Wasserbehälter und Gebäudeteile darauf hindeuten, dass die Therme mit ihrem Heilwasser bereits in römischen und byzantinischen Zeiten bekannt war und benutzt wurde.
Während der „osmanischen Besatzung“ war das griechische Thermalbad ein türkisches Bad, ein Hamam. 1770 ließ Jazaerli Hasan Passa das Hauptgebäude mit den Wannen erbauen. Soweit zur belegten Geschichte.

Vorne die Terrasse und das Café, hinten das Spa. © Therma Spa

Vorne die Terrasse und das Café, hinten das Spa. © Therma Spa

Der Sage nach badete Homer hier höchstselbst. Vielleicht ließ sich Homer auch Terra Lemnia auf die Haut klatschen. Der rote tonige Boden von Limnos gilt als gut und soll viele Krankheiten heilen. Die Erde sei im Laufe der Zeit so heilend gewesen, dass sie heilig wurde und deren Gewinnung unter der Aufsicht der örtlichen Geistlichkeit gestellt wurde. Dass die Erde aber in Form von Tabletten auch geschluckt wurde, das glaube ich auch nach meinem dritten Glas voll mit griechischem Wein der Marke Terra Lemnia kaum. Doch das stimmt.

Halamandaris beteuert, dass die mineralische Heil- und Tonerde von Linos nicht nur äußerlich sondern auch innerlich eingesetzt wurde. Bei Durchfallerkrankungen würde das helfen. Die Osmanen sollen Terra Lemnia auch gegen Typhus und Pest eingesetzt haben. Vermutlich vergebens.

Im Ärzteblatt heisst es 2012 in dem Beitrag von Dr. rer. nat. Ursula Lang und PD Dr. rer. nat. Sabine Anagnostou unter der Überschrift „Terra sigillata – zur Geschichte antiker Heilerden“: „Die „lemnische Erde“ wurde unter Beachtung strenger Rituale am Berg Moschylos ausgegraben, mit Wasser gewaschen, in runde Stücke geformt, getrocknet und mit dem Abbild einer Ziege, eines typischen Opfertiers für die Göttin Artemis, gestempelt. Wegen der darin enthaltenen Eisenspuren war diese Tonerde rötlich-braun und besaß damit eine farbliche Signatur, die man im Sinne der Signaturenlehre als Hinweis verstand, dass sie „rote Erkrankungen“ wie eben die „rote Ruhr“ heilen könnte. Da Erde darüber hinaus im humoralpathologischen Verständnis der hippokratischen Medizin als kalt und trocknend galt, prädestinierten diese Eigenschaften sie ebenfalls zur Anwendung gegen Vergiftungen, insbesondere wenn sie sich durch von heftigen Schweißausbrüchen begleitetem Fieber und Durchfall äußerten. Hier sollte ein (gegen die Fieberhitze) kühlender und (gegen den Schweißfluss und Flüsse aus dem Bauch) trocknender Effekt Linderung oder gar Heilung bringen.“

Der Pool des Therma Spa auf Limnos. © Therma Spa

Der Pool des Therma Spa auf Limnos. © Therma Spa

Ein anderer Arzt, nämlich Pedanios Dioskurides, charakterisierte im ersten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung die Lemnische Erde „als ein mit Wein einzunehmendes Antidot ‚von hervorragender Kraft‘ gegen tödliche Gifte sowie als Mittel gegen Durchfallerkrankungen“.

Wie auch immer: „Terra lemnia“ wirkt. Erde und Wasser sind reichlich vorhanden. Die Therma Spa bietet zudem Hydrotherapie, Fangotherapie, Massagen sowie Gesundheits- und Schönheitsbehandlungen an. Wer in einer der sechs Wannen liegt, wird mit Wasser aus Düsen angestrahlt. In einer Riesenwanne seien zudem mehrere Rehabilitationsmaßnahmen möglich.

Wer will, der kann draußen in einem kleinen Pool plantschen oder sich im Café köstlich verwöhnen lassen.

Ole Bolle

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